#3 | Vereinsverwaltung, CRM oder Fundraising-System?

Wie Ihr vor der Softwareauswahl die richtige Kategorie findet

Ich finde, einer der schwierigsten Schritte bei der Auswahl der passenden Software für Gemeinnützige ist es, dass zig Systeme nebeneinanderstehen und man sie alle miteinander vergleichen möchte. Das Problem ist nicht, dass es zu viele Systeme gibt – sondern dass sie ohne gemeinsame Ordnung nebeneinanderstehen. Und man vergleicht immer nur Unikate mit anderen Unikaten.

Da finde ich es hilfreich, mir die Systeme in Kategorien vorzustellen, in die ich die Systeme grob packen kann und erst festzulegen, in welcher Kategorie ich suche, bevor ich auf die Ebene der einzelnen Systeme gehe.

Beim Datenbank-Lotsen geht es mir um digitale Systeme, die im Fundraising einen echten Entwicklungsschritt ermöglichen: Dinge automatisieren, die bisher mühsam manuell liefen. Wissen für ein Team zugänglich machen, das bislang nur im Kopf Einzelner steckte. Oder ein Instrument einführen, das strategisches Fundraising überhaupt erst möglich macht.

Ich nenne Systeme, die gezielt Fundraising-Prozesse unterstützen und gewissen Kriterien genügen, Fundraising-Datenbanken. Doch der Markt ist dabei weniger eindeutig: Begriffe verschwimmen, Anbieter benennen Ähnliches unterschiedlich.

Also lade ich Euch hier in meine persönliche Logik ein, Systeme zu kategorisieren. Sie hat sich bei meinen Beratungsprozessen als hilfreich erwiesen. Denn um Fundraising mit einer Software zu unterstützen, reicht ein einfaches System manchmal völlig aus. Und manchmal eben nicht – genau darum geht es in dieser Einordnung.

Was ich in der Praxis häufig sehe:

Organisationen entscheiden sich nicht für ein System, das zu ihrer aktuellen Arbeitsweise passt – sondern für eines, das möglichst wenig weh tut.

Wer zu klein oder zu groß einsteigt, zahlt später fast immer doppelt. Nicht nur mit Geld, sondern mit Zeit, Nerven und Energie im Team. Ein System, das zur aktuellen Entwicklungsstufe passt, ist deshalb kein Luxus, sondern eine Investition in Kontinuität und Arbeitsfähigkeit.

Drei Fragen, die ihr jetzt klären solltet:

  • Wollt Ihr vor allem Daten verwalten – oder Beziehungen entwickeln?
  • Gibt es Wissen über Kontakte, das aktuell nur im Kopf einzelner Personen existiert, das aber sinnvoll wäre, wenn es systematisch abgelegt und für andere nutzbar wäre?
  • Soll das System Euch spürbar das Tun von Arbeit abnehmen – oder erstmal „nur“ Ordnung schaffen; das Wiederfinden erleichtern?

Mit diesen Antworten im Hinterkopf wird die folgende Einordnung deutlich einfacher.

Unterschiedliche System-Kategorien lösen unterschiedliche Probleme – die Frage ist: welches Problem habt Ihr?

CRM: Ordnung schaffen, wenn Fundraising nicht im Fokus steht

Ein Customer-Relationship-Management-System (CRM) kann ein „besseres Telefonbuch“ sein: Kontaktdaten verwalten, Mails und Briefe schreiben, Merkmale an Kontakte hängen. Wer ist Mitglied? Wer im Beirat? Wer interessiert sich für welches Thema?

Das ist nützlich – und oft ausreichend.

Fundraising-relevant wird ein CRM erst mit einer sauberen, auswertbaren Kontakthistorie. Dann hat es das Potenzial, zum Gedächtnis Eurer Organisation zu werden.
Das leistet jedoch längst nicht jedes CRM – insbesondere dann nicht, wenn Kommunikation (z. B. Serienmails) nur über Exporte oder externe Tools läuft und nicht automatisch Teil der Kontakthistorie wird.

Ein CRM ist für Euch ein tragfähiger Einstieg, wenn:

  • Ihr Spenden und Mitgliedsbeiträge in einem separaten System verbucht und quittiert,
  • Fundraising bei Euch (noch) stark standardisiert abläuft (z. B. Newsletter, Mailings),
  • persönliche Kontakte punktuell stattfinden, nicht als kontinuierliche Beziehungsarbeit,
  • die Datenpflege bei einer Person oder einem sehr kleinen Team liegt,
  • Ihr vor allem Übersicht, Struktur und erste Entlastung sucht – nicht Steuerung.

Sobald Ihr Euch fragt, wie Ihr Beziehungen systematisch weiterentwickeln, priorisieren oder gut übergeben könnt, stößt ein CRM an seine konzeptionellen Grenzen.

Kosten: von kostenfrei bis vierstellig – CRMs können extrem unterschiedlich aufgestellt sein.

Online-Spenden-Tools: spezialisiert auf Zahlungen

Online-Spenden-Tools sind keine Fundraising-Datenbanken, sondern spezialisierte Werkzeuge für einen klaren Zweck: Mitgliedsanträge und Spenden online entgegennehmen und – je nach Tool – automatisiert Zuwendungsbestätigungen erstellen und versenden.

Für viele Vereine ist das zunächst vollkommen ausreichend.
Wenn Ihr Zuwendungsbestätigungen nicht als Anlass für Dank- und Informationskommunikation mit dem Ziel des Beziehungsaufbaus nutzen möchtet, keine eigene Kontaktbasis für spätere Verteiler aufbauen wollt und Spenden vor allem als Einzelvorgänge betrachtet, erledigt ein Online-Spenden-Tool genau das, was es soll – effizient und vergleichsweise günstig.

Wichtig ist nur: Ein Online-Spenden-Tool bildet keine Beziehungen über Zeit ab.
Wenn Ihr später Menschen kontinuierlich informieren, gezielt ansprechen oder Fundraising strategisch weiterentwickeln wollt, braucht Ihr dafür ein anderes System. Das ist keine Schwäche des Tools – sondern seine Grenze.

Kosten meist prozentual pro Spende zzgl. Kosten von Zahlungsdienstleistern wie Paypal oder als überschaubare monatliche Pauschale.

Vereinsverwaltungen: die Junior-Tüte unter den Systemen

Vereinsverwaltungen sind eine bunte Mischung sinnvoller Funktionen – aber alles eher klein, vereinfacht und begrenzt.

Typisch sind ein schlankes CRM, einfache Finanz- und Beitragsverwaltung, Mitgliederlisten, Termine und Dokumentenverwaltung. Das kann im Alltag enorm helfen – vor allem am Anfang, solange Beziehungsarbeit überschaubar bleibt.

Was dabei oft fehlt, sind nicht „noch mehr Funktionen“, sondern Tiefe:
auswertbare Kontakthistorie, saubere Rollen- und Rechtekonzepte, echte Analysen, Automation entlang von Beziehungen und Prozessen sowie eine Logik für wachsende Fundraising-Prozesse. Zudem bieten viele Vereinsverwaltungen keine gute Grundlage für spätere, saubere Exporte in Fundraising-Systeme.

Sobald Ihr Spendenbeziehungen systematisch aufbauen, segmentieren, auswerten oder übergeben wollt, stoßen diese Systeme schnell an Grenzen.

Kostenseitig meist attraktiv: geringe oder keine Anfangsinvestition, oft niedrige dreistellige Jahresbeträge.

Fundraising-Systeme: wenn Fundraising steuerbar werden soll

Fundraising-Systeme wurden gezielt für diese Aufgaben entwickelt.
Sie bilden ein eigenes Nebenbuch für Spenden, Beiträge und Zuwendungen und übergeben die Daten an die Finanzbuchhaltung.

Im Kern ermöglichen sie, dass Nutzer*innen am Kontakt nachvollziehen können, was gespendet wurde, wann kommuniziert wurde und in welchem Zusammenhang – und dieses Wissen gezielt für die weitere Arbeit nutzen.

Dazu gehören u. a. automatisierte Verbuchung, Quittierung und Bedankung sowie die saubere Verknüpfung von Kontakten, Zahlungen und Kommunikation.

So wird Fundraising steuerbar statt nur dokumentiert.

Ein Fundraising-System ist dann sinnvoll, wenn Fundraising nicht mehr „nebenbei“ läuft, Wachstum gewünscht ist und Entlastung ein echtes Ziel wird.

Es ist leistungsfähig – und verlangt bewusste Entscheidungen, klare Prozesse und Zeit.

Die Kostenmodelle unterscheiden sich stark. Der Preis sagt dabei nicht automatisch etwas über Qualität aus – wohl aber über die Fundraising-Tiefe, für die ein System gedacht ist.

Ein System für 2.000 € im Jahr erfüllt andere Anforderungen als eines mit 20.000 € Einstiegskosten. Ob ein System für 20.000 € besser passt als eines für 25.000 €, entscheidet aber nicht der Preis, sondern Eure Arbeitsweise.

Eine genauere Einordnung der Kostenlogiken findest Du in meinem Artikel
#2 | 20.000 €!? WTF!? Ist das Euer Ernst??

Fördermittel-Software: projekt- und antragslogisch gedacht

Fördermittel-Software ist eine Speziallösung für Organisationen, die regelmäßig mit Förderern, Stiftungen oder öffentlichen Geldgebern arbeiten. Sie bündelt Anträge, Projekte, Fristen, Berichte, Bewilligungen und beteiligte Personen.

Aus Sicht des Fördermittel-Managements bildet sie durchaus eine Art „Beziehung“ ab – jedoch projekt- und antragslogisch, nicht beziehungslogisch im Sinne von Fundraising. Im Zentrum stehen formale Anforderungen, Zeitachsen, Zuständigkeiten und die verlässliche Weitergabe von Informationen über Rollen- und Personalwechsel hinweg.

Sie ergänzt andere Systeme sinnvoll, ersetzt aber weder ein CRM noch ein Fundraising-System, wenn es um den Gesamtblick auf Beziehungen und Einnahmen geht. Umgekehrt kommt man mit einem gut aufgestellten Fundraising-System oft schon erstaunlich weit im Fördermittel-Management – solange dieses kein hochkomplexer Bereich ist.

Mitgliederverwaltung: greift nicht alles, was Fundraising umfasst

Mitgliederverwaltungen organisieren Mitgliedschaft: Beiträge, Laufzeiten, Status, Rechte, Gremien, Funktionen. Das ist eine eigenständige, legitime Logik – aber nur ein Bruchteil der umfassenden Logik von Fundraising.

Fundraising fragt nicht zuerst: Wer ist Mitglied?
sondern: Warum unterstützt mich jemand – und wie entwickelt sich diese Beziehung?

Spenden oder projektbezogene Unterstützungen lassen sich in Mitgliederverwaltungen oft mitführen. Was meist fehlt, ist die konsequente Sicht auf Beziehungen jenseits des Mitgliedsstatus, unterschiedliche Anlässe und Motive sowie deren systematische Weiterentwicklung.

Einordnung für Eure Entscheidung:
Wenn Ihr vor allem komplexe Mitglieder- und Beitragslogiken verwaltet, ist eine Mitgliederverwaltung der naheliegende Ausgangspunkt.

Wenn Ihr merkt, dass mehr Spenden reinkommen (sollen), Menschen auch ohne Mitgliedschaft gezielt angesprochen werden sollen und Beziehungen aktiv entwickelt werden sollen, lohnt sich der Blick auf die Logik von Fundraising-Datenbanken.

Hier gabelt sich der Weg, weil Ziel und Perspektive sich verändern.

Und jetzt?

Wenn Ihr diesen Artikel bis hierher gelesen habt, habt Ihr etwas Entscheidendes gewonnen: ein klares Gefühl dafür, in welcher Kategorie Ihr suchen solltet – und ebenso dafür, wo Ihr Euch gerade nicht verzetteln müsst.

Genau an dieser Stelle wird es in der Praxis oft knifflig: Die Kategorien helfen bei der Einordnung, aber sie nehmen Euch die Entscheidung nicht ab. Denn Anbieter nutzen unterschiedliche Begriffe, Systeme lassen sich nicht sauber vergleichen, und die eigene Organisation sieht man selten mit ganz klarem Blick von außen.

Hier unterstütze ich Organisationen als Sparringspartnerin:
nicht, um ein bestimmtes System zu verkaufen, sondern um gemeinsam herauszuarbeiten,

  • wo Ihr gerade wirklich steht,
  • was Ihr jetzt braucht – und was bewusst noch nicht,
  • und welcher nächste Schritt für Euch sinnvoll ist.

Dafür biete ich ein unverbindliches Orientierungsgespräch an.
Wir schauen gemeinsam auf Eure Situation. Und wenn es passt, klären wir Ziel und möglichen Weg der Zusammenarbeit.


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